Tabellen, Nahrungsquellen und Referenzwerte zu zwei Spurenelementen mit zugelassenen Angaben zur männlichen Reproduktion.
„Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Die Familie der Glutathionperoxidasen umfasst acht bekannte Isoformen, von denen die GPx4 (auch PHGPx genannt) die einzige ist, die Hydroperoxide direkt in Membranlipiden reduzieren kann. Im Hodengewebe wird GPx4 in besonders hoher Konzentration in den späten Spermatiden exprimiert.
Während der Reifung der Spermien wandelt sich GPx4 von einem löslichen Enzym in ein unlösliches Strukturprotein um. Es wird in die Mittelstückkapsel eingebaut — jene Struktur, die die Mitochondrien des Spermiums umhüllt und die Beweglichkeit der Geißel ermöglicht. Diese Umwandlung setzt die Verfügbarkeit von Selen als Selenocystein voraus.
Der Referenzwert für die tägliche Selenzufuhr liegt gemäß der EU-Verordnung 1169/2011 bei 55 µg. Die tatsächliche Aufnahme hängt stark vom Selengehalt der Böden ab, auf denen Getreide und Futterpflanzen angebaut werden — ein Faktor, der innerhalb Europas erheblich schwankt.
| Lebensmittel | Selengehalt (ca. pro 100 g) |
|---|---|
| Paranüsse | 70–90 µg |
| Thunfisch | 80–90 µg |
| Sonnenblumenkerne | 50–60 µg |
| Hühnerbrust | 25–30 µg |
| Eier (Hühner-) | 20–30 µg |
| Vollkornreis (gekocht) | 10–15 µg |
Die Bioverfügbarkeit von Selenomethionin aus tierischen Produkten ist in der Regel höher als die von Selenit aus anorganischen Quellen. Gleichzeitig kann eine hohe Vitamin-C-Zufuhr die Reduktion von Selenit im Magen begünstigen und dessen Aufnahme beeinflussen.
„Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Während der Spermiogenese — der finalen Differenzierungsphase — werden die Histone im Zellkern schrittweise durch Protamine ersetzt. Zink-Ionen bilden Brücken zwischen den Thiolgruppen benachbarter Protamine und erzeugen so eine dichte, stabile Verpackung der väterlichen DNA. Dieser Prozess, die Chromatinkondensation, ist für die mechanische Widerstandsfähigkeit und die Befruchtungskapazität der Spermien von Bedeutung.
Darüber hinaus ist Zink an der Regulation des Enzyms 5α-Reduktase beteiligt, das Testosteron in seine potentere Form Dihydrotestosteron umwandelt. Die Prostata enthält die höchste Zinkkonzentration aller Weichteilgewebe — ein Umstand, der die reproduktive Bedeutung dieses Spurenelements dokumentiert.
Der Referenzwert für die tägliche Zinkzufuhr beträgt gemäß EU 10 mg. Die Bioverfügbarkeit von Zink aus tierischen Lebensmitteln ist in der Regel höher als aus pflanzlichen Quellen, da Phytinsäure in Getreide und Hülsenfrüchten die Absorption im Dünndarm mindern kann.
| Lebensmittel | Zinkgehalt (ca. pro 100 g) |
|---|---|
| Austern | 22–40 mg |
| Rindfleisch (mager) | 4–6 mg |
| Kürbiskerne | 7–8 mg |
| Cashewkerne | 5–6 mg |
| Linsen (getrocknet) | 3–4 mg |
| Haferflocken | 3,5–4 mg |
Einweichen und Keimen von Hülsenfrüchten und Getreide kann den Phytinsäuregehalt reduzieren und damit die Zinkabsorption begünstigen. Die gleichzeitige Aufnahme von tierischem Protein erhöht die Resorptionsrate zusätzlich, da Aminosäuren wie Histidin als Zink-Liganden fungieren.
Die Bildung eines reifen Spermiums aus einer Spermatogonie dauert beim Menschen durchschnittlich 74 Tage. Dieser Zeitraum gliedert sich in drei Phasen: die mitotische Vermehrungsphase (Spermatogoniogenese), die meiotische Reifeteilung (Spermatozytogenese) und die morphologische Umgestaltung (Spermiogenese). In jeder Phase sind spezifische Enzyme aktiv, deren Kofaktorbedarf die Verfügbarkeit bestimmter Spurenelemente voraussetzt.
Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse steuert die männliche Reproduktion über die Hormone GnRH, FSH und LH. LH regt die Leydig-Zellen zur Testosteronproduktion an, während FSH die Sertoli-Zellen aktiviert, die als Nährzellen der heranreifenden Spermien fungieren. Sowohl die Testosteronsynthese als auch die Sertoli-Zell-Funktion beinhalten zinkabhängige Enzymschritte.
Selen und Zink greifen an verschiedenen Stellen der Spermatogenese ein: Selen als Bestandteil der GPx4 in der Spermiogenese, Zink über die Chromatinkondensation und die Steroidogenese in den Leydig-Zellen. Die zugelassenen Angaben beziehen sich jeweils auf das einzelne Mineral:
„Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
„Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Selen wird im Dünndarm überwiegend als Selenomethionin absorbiert, wobei die Resorptionsrate bei adäquater Proteinzufuhr zwischen 70 % und 90 % liegt. Im Blut bindet Selen an Selenoprotein P, das als Transportprotein fungiert und das Spurenelement in verschiedene Zielgewebe — einschließlich der Hoden — befördert.
Zink wird hauptsächlich im Jejunum absorbiert, wobei die Resorptionsrate je nach Nahrungszusammensetzung zwischen 15 % und 40 % schwankt. Hohe Calciumzufuhr und Phytinsäure können die Zinkaufnahme mindern, während tierisches Protein sie begünstigt.
Eine gleichzeitige Einnahme beider Spurenelemente in üblichen Dosierungen, die den EU-Referenzwerten entsprechen, ist nach gegenwärtigem Wissensstand unbedenklich. Bei deutlich überhöhten Dosen können Wechselwirkungen auftreten — beispielsweise kann eine sehr hohe Zinkzufuhr die Selenretention beeinflussen. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge sollte daher nicht überschritten werden.
Der Selenstatus lässt sich über den Plasma-Selenspiegel oder die Aktivität der Glutathionperoxidase im Vollblut bestimmen. Beide Parameter werden von einem Arzt oder einer Ärztin über eine Blutuntersuchung erhoben. Der Plasma-Selenspiegel spiegelt die kurzfristige Versorgung wider, während die GPx-Aktivität auf den längerfristigen Status schließen lässt.
Zink liegt in Nahrungsergänzungsmitteln in verschiedenen chemischen Formen vor — etwa als Zinkgluconat, Zinkpicolinat oder Zinkoxid. Studien zeigen unterschiedliche Resorptionsraten je nach Verbindung, wobei organische Zinksalze tendenziell besser absorbiert werden als anorganische. Die zugelassene EU-Angabe bezieht sich auf Zink unabhängig von der chemischen Form.
Der Begriff „normal“ in den EFSA-Angaben beschreibt die physiologisch ordnungsgemäße Funktion bei ausreichender Versorgung mit dem jeweiligen Mineral. Es handelt sich nicht um eine therapeutische Wirkungsaussage. Die Angabe wurde auf Basis wissenschaftlicher Gutachten der EFSA zugelassen und bezieht sich auf die allgemeine erwachsene Bevölkerung.
Die wissenschaftliche Literatur dokumentiert Zusammenhänge zwischen der Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen und Parametern der Samenqualität. Die EU-Verordnung Nr. 432/2012 erlaubt jedoch nur jene Angaben, die im Rahmen eines strengen Bewertungsverfahrens durch die EFSA zugelassen wurden. Individuelle Gesundheitsfragen sollten stets mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Referenzwerte, Nahrungstabellen und Hintergrundwissen zu Selen und Zink — zusammengestellt nach europäischen Prüfkriterien.
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